Yoga ist in vielerlei Hinsicht nach innen gerichtet. Auch wenn wir oft gemeinsam in Gruppen üben, werden Yogis immer dazu ermutigt, ihre Erfahrungen persönlich zu gestalten, auf den eigenen Körper zu hören und äußere Vergleiche und Ablenkungen auszublenden. Aber Yoga existiert nicht im luftleeren Raum; es geht auch darum, Verbindungen zu allem um uns herum zu knüpfen. Die „Vereinigung“, von der wir so oft sprechen, geht über die physischen Grenzen unseres Körpers hinaus und umfasst andere Menschen, Lebewesen und die Natur. Ein Yogi zu sein bedeutet, sich tief um unseren Planeten und all seine Bewohner zu kümmern. Ein Yogi zu sein bedeutet, ein Umweltschützer zu sein.
Yoga, die Erde, Patanjali und du
Einer der beliebtesten klassischen Texte des zeitgenössischen Yoga, die Yoga-Sutras von Patanjali, gibt uns fünf Regeln (die sogenannten Yamas) an die Hand, wie wir uns anderen Menschen gegenüber ethisch verhalten sollen. Im Folgenden werden wir entdecken, dass sich die Yamas ganz natürlich erweitern lassen, um auch Leitlinien für den Umgang mit der Natur zu bieten. Diese Verschmelzung von Yoga und Umweltschutz erweitert die Yamas über ihre ursprüngliche Absicht hinaus und unterstützt moderne Yogis dabei, die Herausforderungen zu meistern, denen unser Planet gegenübersteht.

Ahimsa
Das erste Yama, Ahimsa, hat den offensichtlichsten Bezug zum Naturschutz. Ahimsa bedeutet „Nicht-Verletzen“. In unserem Alltag des 21. Jahrhunderts können wir Lebensstilentscheidungen treffen, die dem Planeten so wenig Schaden wie möglich zufügen. Auch wenn die meisten von uns keine Staats- und Regierungschefs sind, die für die Aushandlung internationaler Umweltpolitik verantwortlich sind, sollten wir nicht davon ausgehen, dass wir keinerlei Macht oder Einfluss haben. Prioritäten an der Basis wirken sich nach und nach auch auf Wirtschaft und Politik aus.
Asteya
Asteya, was „Nicht-Stehlen“ bedeutet, lässt sich ebenfalls ökologisch interpretieren. Viel zu lange haben die Menschen die Erde so behandelt, als ob sie uns gehören würde. Dieser Planet und all seine natürlichen Ressourcen gehören weder einer Einzelperson noch einem Unternehmen. Mehr als deinen Anteil auf Kosten anderer zu nehmen, ist Diebstahl.
Aparigraha
Aparigraha bedeutet, nicht nach dem zu begehren, was andere haben. Still das quälende Verlangen nach mehr Zeug nicht mit Ramsch. Entwickle einen anspruchsvollen Geschmack für schöne und funktionale Dinge, die zu deinen Grundwerten passen – ganz gleich, was andere tun.
Satya
Satya, also Wahrhaftigkeit, inspiriert uns dazu, unsere Stimme zu finden und notfalls auch mal für Aufsehen zu sorgen. Sprich dich an deinem Arbeitsplatz oder bei deiner Kommunalverwaltung dafür aus, dass es mehr Möglichkeiten zum Recycling gibt, sauberere Energiequellen genutzt werden und Grün Räume geschützt werden. Da die Erde immer stärker bedroht ist, äußern sich viele von uns offener und entdecken, dass wir Veränderungen bewirken können.
Brahmacharya
Das letzte Yama ist Brahmacharya, was traditionell Keuschheit bedeutete. Brahmacharya wird oft als Bewahrung der Lebenskraft interpretiert, was eine ziemlich treffende Beschreibung dessen ist, was wir uns für unseren Planeten wünschen.

Da die Popularität und der Einfluss des Yoga weiter zunehmen, haben wir die Chance, die alten Werte des Yoga in die Umweltbewegung einzubringen. Die vor Jahrhunderten gelegten ethischen Grundlagen sind heute so aktuell wie eh und je.



