Die meisten Leute, die Yoga machen, kennen Asanas (Körperhaltungen) und Pranayama (Atemübungen) und vielleicht sogar Mantras (Gesänge) und Drishti (den Blick). Aber viele von uns kratzen gerade mal an der Oberfläche von Mudras (Handzeichen) – den Handgesten, die ein fester Bestandteil einiger Formen des klassischen Yoga und der Meditation sind.
Mudras basieren auf Reflexzonenpunkten in den Händen, die viele empfindliche Nervenenden enthalten. Sie stehen auch im Zusammenhang mit Konzepten des feinstofflichen Körpers wie Chakren (Energiezentren) und Nadis (Kanäle, die die Chakren verbinden). In der hinduistischen Ikonografie helfen Mudras dabei, die Eigenschaften der Gottheiten zu identifizieren. Jeder Finger ist traditionell auch mit einem der fünf Elemente verbunden, sodass das Anregen verschiedener Kombinationen bestimmte Ergebnisse hervorrufen kann.

Eine der am häufigsten verwendeten und weithin bekannten Gesten ist das Anjali-Mudra. Vielleicht kennst du es auch als Namaste-Position, Gebetshaltung oder einfach als das Aneinanderlegen der Handflächen. Wahrscheinlich hast du diese einfache Handhaltung schon einmal verwendet, um Dankbarkeit oder Hingabe auszudrücken oder als Gruß. Das Anjali-Mudra überwindet kulturelle und sprachliche Barrieren und vereint Menschen auf der ganzen Welt, die verstehen, dass dies eine Geste des Respekts ist.
Das Zusammenpressen der beiden Handflächen vor der Brust ist in Indien eine alltägliche Begrüßung, in vielen spirituellen Traditionen eine Gebetsgeste und im Yoga sowie darüber hinaus ein Symbol der Dankbarkeit. Viele Yogis verbinden das Anjali Mudra mit der Praxis, unseren Lehrern am Ende des Kurses Dank auszusprechen, wenn wir „Namaste“ austauschen und unsere Köpfe über unsere aneinandergepressten Handflächen neigen. Diese Geste steht für unsere universelle Verbundenheit.
Schritt-für-Schritt-Anleitung für Anjali Mudra
- Führe deine beiden Hände vor die Brust und drücke die Handflächen aneinander.
- Leite den Druck durch jeden Finger und Daumen bis in die Fingerspitzen weiter.
- Halte die Seiten deiner Finger aneinander.
- Zwischen den Mittelpunkten der beiden Handflächen entsteht ganz natürlich eine kleine Vertiefung.
- Entspanne deine Schultern und zieh sie von den Ohren weg.
🧘 Tipp von einem Yogi
Obwohl das Anjali Mudra auch als Gebetshaltung bezeichnet wird, hat es einen ganz anderen Zweck. Auch Menschen, die nicht religiös sind, können das Anjali Mudra als Geste des Respekts praktizieren.
Grundlagen des Anjali Mudra
Sanskrit-Bedeutung: Anjali (Ehrerbietung oder Opfergabe) Mudra (Siegel)
Yoga-Level: Alle Stufen
Pose-Typ: Handgeste (Mudra)
Pose-Kategorie: Geste des Respekts, Zentrierung, Meditation
Auch bekannt als: Atmanjali Mudra, Namaskar Mudra
Vorteile des Anjali Mudra
- Öffnet den Brustkorb
- Dehnt die Handgelenke
- Symbolisiert Einheit
- Verbessert die Konzentration
- Fördert Dankbarkeit
Anjali-Mudra-Variationen

Herzzentrum
Wenn du die gefalteten Hände an dein Brustbein (Herzchakra) führst, wobei die Unterarme parallel zum Boden sind, dehnt das die Handgelenke und lenkt deine Aufmerksamkeit auf dein Herzzentrum.

Drittes Auge
Wenn du das Mudra an dein drittes Auge (Ajna-Chakra) führst, richtest du deine Aufmerksamkeit auf deine Intuition.

Umgekehrtes Anjali-Mudra
Beim umgekehrten Anjali-Mudra werden die Handflächen hinter dem Rücken zusammengefügt, idealerweise zwischen den Schulterblättern. Dazu rollst du die Schultern nach unten und nach hinten und öffnest so die Vorderseite des Brustkorbs. Wenn du die Hände hinter dem Rücken zusammenführst, versuche, sie an der Handwurzel zu verschließen.
Warum wir das Anjali-Mudra praktizieren
Während der Asana-Praxis hilft uns das Mudra, unsere Aufmerksamkeit zu bündeln, uns zentriert zu fühlen und die Posen ins Gleichgewicht zu bringen. Körperlich gesehen öffnet das Aneinanderpressen der Handflächen den Raum zwischen den Schulterblättern und dehnt die Handgelenke. Das Zusammenführen der Hände symbolisiert die Vereinigung jeglicher Art von Dualität: Licht und Dunkelheit, links und rechts, männlich und weiblich, Yin und Yang. Es erinnert uns daran, dass diese gegensätzlichen Kräfte in uns allen existieren und dass Yoga ein Mittel ist, um unser Leben besser ins Gleichgewicht zu bringen.
Häufig gestellte Fragen zum Anjali-Mudra
Wozu dient das Anjali Mudra?
Das Anjali Mudra ist viel mehr als nur das Aneinanderlegen der Handflächen; es ist eine kraftvolle Methode, deinen Geist in die Gegenwart zu bringen und Dankbarkeit zu kultivieren. Im Yoga und in der Meditation hilft es dir, deinen Fokus zu zentrieren und deine Energie ins Gleichgewicht zu bringen, während es auf körperlicher Ebene deine Handgelenke sanft dehnt und deine Schulterblätter öffnet.
Was ist der Unterschied zwischen Namaste und Anjali Mudra?
Das Anjali-Mudra ist die körperliche Geste, bei der man die Handflächen vor dem Herzen zusammenführt, was Einheit und Respekt symbolisiert. Namaste ist der gesprochene Gruß, der diese Geste oft begleitet. Während das Anjali-Mudra still und visuell ist, fügt Namaste den verbalen Ausdruck hinzu, der bedeutet: „Ich verneige mich vor dem Göttlichen in dir“. Zusammen bilden sie einen vollständigen Gruß, der sowohl den Körper als auch den Geist ehrt.
Quellen:
Le Page, Joseph und Lilian. Mudras für Heilung und Transformation. Integrative Yoga-Therapie, 2014.
Swami Saradananda. Mudras für das moderne Leben. Watkins, 2015.



